Bonner Rundschau vom 30. 11. 2006
Christoph Pierschke
Verwirrspiel um Ehre und Heldentum
Die Bonn Players führen im Augustinum George Bernard Shaws Stück "Arms and The Man" auf


Da zieht Raina einen Schmollmund. Nein, für Tischdecken heiraten will sie schon mal gar nicht. "Ich lass mich nicht an den höchsten Bieter verkaufen", mault sie auf ihre hochnäsige Art. Dabei ist eigentlich zu diesem Zeitpunkt schon alles in trockenen Tüchern. Alle haben sich gefunden, und die Liebesscharmützel sind zu aller Zufriedenheit beendet. Nur Raina ziert sich noch ein wenig.

Mit ihrer Inszenierung von George Bernard Shaws "Arms and The Man" beweisen die "Bonn Players" einmal mehr ein sicheres Händchen in Sachen "English Theatre". Die Deserteurskomödie aus dem Jahr 1894 um den Schweizer "Chocolate Cream Soldier" bietet nicht nur die ganze Palette eines humorvollen Liebesverwirrspiels. Vor allem ist "Arms and the Man" eine subtile Verhöhnung der althergebrachten Kriegstugenden wie Ehre und Heldentum. Da sich Verwirrspiel und Verhöhnung in Shaws ureigener sprachlicher Komik ständig vermischen, kann man gar nicht Applaus genug geben für eine Aufführung in der Originalsprache.

Mit spürbarem Genuss setzen die Schauspieler Shaws pointenreiche Sprache in Szene. Kerstin Feuersänger gibt die stolze und zungenfertige Raina, die im Grunde genommen sofort dem ironischen Charme des Schokoladensoldaten Bluntschli (Edward Ferrow) zum Opfer fällt. Bis zu guter Letzt aber wehrt sie sich, eben dieses einzugestehen. Christopher Nott dagegen zieht den Möchtegernehemann und schnauzbärtigen Hagestolz Sergius von Anfang an als dickköpfigen Aufschneider ins Lächerliche. Vor trauten und idyllischen Landhaus-Kulissen haben alle Darsteller ihre komödientypischen Macken und Gesten. Trotzdem bleibt ihnen genügend Freiraum, die kleinen Ticks ihrer Rollen individuell auszuspielen. Ohne Albernheiten gelingt es der Inszenierung, die Lächerlichkeit der Beteiligten zu betonen, ohne den Figuren ihre Liebenswürdigkeit zu nehmen. Getreu dem Motto: Mehr Komödien braucht das Leben. Und bei dem Iren George Bernard Shaw kann man eine Menge über beides lernen.

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