Bonner Rundschau 21.11.08

H. D. Terschüren

 

Im Keller ist noch eine Grube frei

The BonnPlayers spielen die schwarze Komödie „Arsen und Spitzenhäubchen“

 

Bonn. Wie vergnüglich sich „Arsenic and Old Lace“ auf der Bühne spielen läßt, wissen nicht alle – aber alle, die im Theatersaal des Augustinums die Aufführung von Joseph Kesselrings grandioser Kriminalgroteske durch The BonnPlayers mit Lachen und Szenenapplaus feierten, bestimmt. Und für jene, die außer der Verfilmung mit Cary Grant – deutsch „Arsen und Spitzenhäubchen“ nichts gelten lassen, empfehlen wir einen Besuch. Was für eine berühmt schöne Geschichte: Unter den Spitzenhäubchen entdeckte man eine gute, professionelle Besetzung. Margot Nisita und Katie Jordans waren umwerfend betulich die beiden Brewster Sisters. Zwei alte Damen, die in ihrem alten Elternhaus ihrem Gewissen folgen und keinen einsamen Wanderer vor der Tür lassen, der ein Bett fürs müde Haupt sucht.

Bei den segensreichen Schwestern findet er mehr Ruhe, als ihm möglicherweise lieb ist. Nur beim missratenen Neffen Jonathan (Chris Wilde) machen sie aus ihrem Herzen eine Mördergrube. Apropos: von Margie Cross und Detlev Karsten hatte sich Regisseurin Devon Putnam eine aufwändige Bühne bauen lassen. Im Keller ist immer noch eine Grube frei, dafür sorgt ein weiterer Neffe Teddy (Christopher Nott), der sich für Roosevelt hält und unterm Haus den Panamakanal gräbt. Wenn er nicht im Obergeschoss Trompete blasend gerade eine heiß umkämpfte Höhe erobert.

Aber ausgerechnet in dieser belasteten Familie will, als Theaterkritiker auch nicht unverdächtig. Neffe Mortimer (Scott Jacobs hat die Grant-Rolle) heiraten, und zwar Elaine (Kendel Brady), die Tochter des Pfarrers.

 

Für all das hat sich die Regie hübsche Spielzüge einfallen lassen. Glanzstück ist das nächtliche Herumgetapere von denen, die was zu verbergen haben, und das sind praktisch alle. Das gipfelt darin, daß auch noch die Leichen zu wandern beginnen.

Die Bühnensprache ist reizvoller Weise das originale Englisch, wie immer bei der nach dem Wegzug der Botschaft nach Berlin aus den British Embassy Players hervorgegangenen Bonner Theatertruppe, die sich bald ein neues Image verschaffte. Alle im zahlreichen Ensemble haben mit viel Einsatz gespielt.

 

 

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