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Bonner Rundschau – 22. Nov. 2003
Ulkige
Mordsgeschichte
- very british
Die Bonn Players führen im
Augustinum ein Stück von Alan Ayckbourn auf
BONN, Das Verdienst, in Alan Ayckbourn mehr als nur einen
Boulevardier entdeckt zu haben, können vor allem auch deutsche Bühnen für sich
in Anspruch nehmen. Kaum ein Stück, das der britische Autor in seinem Theater
in Scarborough an der englischen Ostküste ausprobierte, und das nicht auch
sofort von unseren Stadt- und Staatstheater nachgespielt wurde. Immer
erfolgreich. Natürlich gibt es Ausnahmen unter
seinen 63 Komödien. »It Could Be Any One of Us" (Jeder von uns
könnte es gewesen sein") von 1983 zum Beispiel, das nie so richtig reüssierte,
weshalb es Ayckbourn Ende der neunziger Jahre überarbeitete. Kein Renner, dabei
ein lustiges Stück, das die Bonn Players", wie der Name schon sagt: auf
Englisch, bis heute im Wohn Stift Augustinum aufführen(19.30 Uhr, Römerstraße
118). Wie stets geht es beim britischen Moliere Ayckbourn um seine ulkigen Landsleute.
In dieser KrimiParodie sind es drei Geschwister, die alle auf ihre Weise ohne
Erfolg im Leben blieben: Mortimer als Komponist, Jocelyn als Schriftstellerin
und Brinton als Maler. Solche Häufung von Nicht-Existenzen ist eben very
british.
Völlig
britisch ist auch, dass das jeder vom anderen hin nimmt. Mortimer sitzt also anfangs,
selbstvergessen die Augen nach oben verdreht, am Flügel und nervt die nicht so
auf Duldung angewiesenen Familienmitglieder. Also Jocelyns Tochter Amy, die
sich zu Kopfhörern flüchtet, was auch nicht gern gesehen wird. Und Norris, den
Freund der Mutter, ein Detective. Wenn sich die Tür öffnet, knallen Donner und
Sturm herein. Natürlich sind sie alle in Janine Lockwood-Brusas Regie komisch, aber besonders sind es Mutter Jocelyn (Mary Sengül) samt verknatschter Tochter (Susanne Karsten). Auf einen Kurznenner gebracht, dass es einen Mord geben wird, ist klar bei der Künstlerdisposition, zumal noch zum Missfallen von Amy Mortimers ehemalige Schülerin Wendy hereinplatzt. Die Frage ist nur, wen trifft es und wer war es. Aber die Antwort ist ein bisschen egal, ändert sich offenbar auch je nach Aufführungstag. Die Hauptsache sind Ayckbourns Menschenbeobachtung, seine Dialoge, der oft sehr britische Witz, die Situationskomik. An Mutter und Tochter kann man sich kaum satt sehen und hören. (ter)
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