Kultur-in-Bonn.de

Etablierte und alternative Kultur in Bonn

 

Love's Labour's Won
Theater - 04.05.06 - Maike Christians

"Shall I Compare Thee...?" - Szenische Lesung der Bonn Players in englischer Sprache in der Brotfabrik

"Shall I compare thee to a summer's day?", so beginnt eins von Shakespeares bekanntesten Liebessonetten. Die Bonn Players, die dieses Jahr ihr 25-jähriges Bestehen feiern, zeigen unter diesem Titel Ausschnitte aus dem Werk des Dichters. Neben mehreren Sonetten sind dies auch Reden und Lieder aus seinen Theaterstücken. Thema des Abends ist die Liebe. Die Liebe der Jugend, die reife Liebe, die Unbeschwertheit, die Eifersucht, die Liebe zwischen Mann und Frau, die Liebe zum Hund, die Vaterliebe, die Liebe unter Männern.

 

Die Aufführung, die als szenische Lesung angelegt ist, beginnt damit, daß die vier Darsteller mit ihren Skripten auf Stühlen platznehmen. Anfangs lesen sie noch sitzend aus ihren Texten, mit kleinen Zwischentexten zur Überleitung. Mehr und mehr jedoch stellen sie das Gelesene auch in kleinen Szenen da, bis sie schließlich das Handwerkerstück aus "A Midsummer Night's Dream" fast komplett inszeniert aufführen.

 

Kathleen Schroers' Regie ist sparsam, aber wohlgesetzt. So wird zum Beispiel die Liebesgeschichte von Anthony und Kleopatra durch mehrere gegeneinandergesetzte Reden der Protagonisten knapp aber eindrucksvoll erzählt. Das Handwerkerstück geht nahtlos in Lears Wehklage über seine Tochter über. Die Lesung wird aufgelockert durch von Peter Ferrow vertonte und vorgetragene Lieder aus Shakespeares Stücken.

 

Es ist bemerkenswert, welche Fülle von unterschiedlichen Charakteren die vier Schauspieler (drei Männer, eine Frau), mit viel Stimme und wenigen Gesten darzustellen vermögen. Edward Ferrow zum Beispiel liest nicht nur den jungen Lysander, der mit seiner Geliebten durchbrennen will, sondern auch den Schurken Proteus (Two Gentlemen of Verona), der liebt, wen er nicht lieben darf, und den werbenden König Heinrich V. Peter Ferrow wechselt vom schwärmerischen Valentine (Two Gentlemen) zum frauenverachtenden Petruchio (The Taming of the Shrew). Imke Pannen überzeugt sowohl als jung verliebte Julia, als auch als Prinzessin Katherine, die ihr Herz der Staatsräson unterordnen muß, als auch als reife Liebende Kleopatra. Herausragend ist aber John Stevens, der Meister der kleinen Gesten, der mühelos von Mercutio, dem abgeklärten Freund Romeos, zum Melancholiker Orsino (Twelfth Night) wechselt, vom Hagestolz Benedick (Much Ado about Nothing) zum hetzerischen Intriganten Jago (Othello), vom tölpeligen Hundefreund Speed (Two Gentlemen) zum eifersüchtigen Leontes (A Winter's Tale). Krönender Abschluß ist seine ergreifende Darstellung des Lear, der seine Lieblingstochter Cordelia betrauert.

 

Den Bonn Players ist mit dieser Szenen-Collage eine wunderbare Hommage an Shakespeare gelungen. Der Abend ist ein Genuß für jeden Freund des Dichters und dessen Sprache.
                                                   

 

 

Imke Pannen, John Stevens und Peter Ferrow in "Twelfth Night"

 

 

 

 

 

 

 

Peter und Edward Ferrow im Handwerkerstück aus "A Midsummer Night's Dream" (Photos: Bonn Players e.V.)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

http://www.kultur-in-bonn.de

                                                 zurück/back