Bonner Rundschau 5.5.06

Barbara Buchholz

Besondere Männerfreundschaft

Szenische Lesung von Shakespeare-Texten mit den BonnPlayers

 

Schnörkellos und sparsam ist die Bühne ausstaffiert. Vier Holzstühle und ein Notenpult genügen, gesäumt von vier weißen gerafften Stoffbahnen. Die vier Schauspieler tragen schlichte Kostüme, vorwiegend in schwarz. Einzige Requisiten sind blaue Textbücher, eine Gitarre und eine Concertina. Das Understatement ist bewusst gewählt, um die Schönheit der Shakespear`schen Sprache zu betonen. Denn darum geht es: In „Shall I compare Thee?“, ihrem jüngsten Stück, lassen die Bonn Players in einer szenischen Lesung die Liebenden des englischen Dichters zu Wort kommen. Die Textpassagen werden durch Lieder aufgelockert, den beiden Hälften des Abends sind Sonette voranstellt. Regisseurin Kathleen Schroers hat für die Bonn Players mit Auszügen aus Shakespeares Werken einen amourösen Rundumschlag kreiert. Die Schauspieler schlagen den Bogen von Romanzen und Komödien wie „A. Midsummer Night`s Dream“ bis zu Tragödien wie „Othello“ oder „Antony und Cleopatra“. Mit der Titelzeile macht Peter Ferrow den Auftakt, abwechselnd rezitieren dann Edward Ferrow, Imke Pannen und John Stevens solo und in verschiedenen Konstellationen. „Come, gentle night, … give me my Romeo“, lockt Imke Pannen als Julia, während sie als Rosalind aus „As you like it“ dem allzu charmanten Orlando (Edward Ferrow) den Kopf zurecht rückt. Die „Two Gentlemen of Verona“ (Valentine (Peter Ferrow) und Proteus (Edward Ferrow) frönen der ganz besonderen Männerfreundschaft, während John Stevens als der Diener Launce (aus demselben Stück) seinen gentlemenlike dog“ Crab umgarnt. Eine szenische Lesung lebt von Gestik und Mimik, davon, dass die Schauspieler sich für Augenblicke das Wesen der Bühnenfigur zu eigen machen. So wie zum Beispiel John Stevens als Mercutio über die Bühne stolziert und dabei ein wenig blasiert guckt. Komisches Talent bewies Imke Pannen als unterkühlte Katharina mit reizendem französischem Accent, die schließlich doch einwilligt, „se ennömi of Frons“, Heinrich V. zu heiraten. Gerade solche ironischen Brechungen und Überzeichnungen machen den Reiz des Abends aus, di Akteure flirten damit.

 

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