Generalanzeiger – 17. Mai 2003
Bizarre Byte-Begegnung
Brotfabrik: Monologe und Cyber-Premiere der englischen „Bonn Players“

Von Hagen Haas

 

Der Rasenmäher knattert. Er rasiert das letzte Bühnenbild hinfort. Würfel, Laptops. Eine komplette Dimension - ausgelöscht. Da, wo vorher noch Vogelgezwitscher ertönte. Die Uraufführung von John Stevens'' „Virtually Possible" geizt nicht mit Anspielungen,auf Zukunftsängste und bizarre Byte-Begegnungen aus Kino und Literatur. „Der Rasenmäher-Mann" war 1992 der erste Cyberspace-Film, hatte nicht ; viel mit Stephen Kings Kurzgeschichte:gemein, zeigte jedoch noch nie gesehene Rechner-Effekte auf der Leinwand- Huxleys „Brave New World" schleicht sich ebenfalls in Stevens' virtuelle-.Vision ein - das Stück ist gespickt mit überraschenden Wechseln, Sarkasmus und desillusionierender Quintessenz. Der Mensch weiß vor lauter Bits und Bytes nicht mehr; ob er Männlein, Weiblein oder gar Maschine ist.

Kathleen Schroers als Brit im Morgenmantel wird von ihrem androidenhaften E-Mail-Master Pete (Peter Ferrow) gelenkt, Autor Stevens loggt sich aus dem Publikum: ins Bühnengeschehen ein. Passable Wortspiele („What do you offer in an internet-cafe? Mocca and modern?"), das kühl-kubische Bühnenbild und gut aufgelegte Darsteller können nicht darüber hinwegtäuschen, dass die futuristische Farce gehetzt wirkt. Allerdings: In Zeiten, in denen E-Mail-Verfasser mit „Smiley"-Symbolen operieren, um ihre Gefühlslage auszudrücken, ist diese Hektik vermutlich nur konsequent.

Vorangegangen waren drei Monologe aus „Talking Heads" von Alan Bennett.

Besonders Margot Nisita als neugierige Witwe ,wusste  zu überzeugen. Sie erinnerte an eine von-Cary Grants Tanten in „Arsen und-Spitzenhäubchen".

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