Bonner Rundschau 07.05.2010                                                                                   

Antje Stillger

                                                                                                                        

Sein vermeintlich langweiliges Leben hat der 47­jährige Restaurantbesitzer Barney Cashman (hervorragend gespielt von Scott Jacobs) satt.

 Seit 23 Jahren verheiratet und immer treu, sehnt er sich nun nach Abenteuern und Abwechslung. Zu diesem Zweck lädt er - von der Midlife Crisis gebeutelt - zu jeweils unterschiedlichen Zeiten drei Damen in das New Yorker Appartement seiner Mutter, doch aus den erträumten romantischen tête-à-têtes  entwickeln sich drei nachhaltige Alpträume. Mäandrierend zwischen spielerischer Leichtigkeit, ergreifender Melancholie und authentisch wirkender Hysterie, hat Devon Putnam dieses wunderbare Boulevardstück namens Last of the Red Hot Lovers (1972 mit Alan Arkin verfilmt) aus der Feder von Neil Simon in der Brotfabrik inszeniert.
Dass es sich bei der den eng
lischsprachigen "The BonnPlayers" um eine Laiengruppe handelt, die um die britische Botschaft herum 1980 entstand, ist bei dieser Inszenierung kaum zu merken. Als wären ihnen die Rollen auf denLeib geschneidert, so fungieren die vier Akteure auf der Bühne und ziehen alle Register. Allen voran Carrie Assheuer, die ihren Part des rassigen Vollweibs, das kühl und berechnend alle weiblichen Reize zum Einsatz bringt, um ihr Ziel zu erreichen, bravourös beherrscht. Nur kalte Verachtung hat sie für den zaudernden Ehemann Barney übrig, der von der großen Leidenschaft träumt, aber nichts riskieren will und sich schließlich doch nicht traut.

Schlingernd, am Rande des Wahnsinns, lebt die erfolglose Schauspielerin Bobbi, die sich mit Drogen voll pumpt, um der Realität zu entfliehen. Zerbrechlich und zugleich hoffnungslos verrückt zeigt Lisa Housholder ein hervorragendes Gespür für ihre Rolle und verkörpert die zerbrochene Romantikerin perfekt.

Mit der depressiven Jeanette (Ramona Claus) muss sich der mittlerweile arg gebeutelte Barney zum Schluss auseinandersetzen und ihm geht schließlich ein Licht auf: Vielleicht ist seine eigene Frau doch die Beste? In jedem Falle eine sehenswerte Inszenierung, auf hohem Niveau mit zahlreichen Höhepunkten.



Carrie Assheuer and Scott Jacobs

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