Bonner Rundschau  18.11.2011                                                                                   

HD Terschüren

                                                                                                                     

Sittenbild der viktorianischen Gesellschaft

Die "BonnPlayers" spielen im Wohnstift Augustinum eine Komödie von George Bernard Shaw

 

Wenigstens die englisch sprachigen BonnPlayers spielen noch George Bernard Shaw. Im 30. Jahr seit ihrer Gründung – damals noch als The Embassy Players – kam im Augustinum mit Mrs Warren´s Profession sein schärfster Anschlag auf die bigotte viktorianische Gesellschaft des 19. Jahrhunderts auf die Bühne.

30 Jahre brauchte Shaws Comedy um an der Zensur vorbei 1925 zur ersten öffentlichen Aufführung in England zu kommen. Übrigens war man nicht nur dort zimperlich. Auch anderswo stieß man sich an einer Frau, die statt Suppe an die Armen lieber sich selbst an die Reichen verkaufte, was auch gut kapitalistisch und unternehmerisch gedacht war. Sie investierte, wovon sie sich den größeren Umsatz versprechen konnte, ihren Körper.

Sie gründete eine Bordellkette. Die bessere Gesellschaft in Gestalt von Sir George Crofts (Chris Wilde) wurde stiller Teilhaber. Das ist der Anfang in Margot Nisitas Regie. Shaw verstand sich darauf, diese Situation anzuspitzen. vielleicht übertrieb er es auch bei dieser früheren Theaterarbeit etwas. Er läßt nichts aus. Frau Warren holt ihre Tochter zu sich, der sie beste Erziehung zukommen ließ, samt akademischem Diplom. Vivie, die von ihrer Mutter endlich den Namen ihres Vaters erfahren will, ist die Hauptrolle, aber an der Entwicklung der Mutter-Tochter-Beziehung erweist sich Shaws fabelhaftes Theatertalent. Er düpierte die Gesellschaft.

Auch die Erziehung ist nur dünner Farbauftrag. Vivie (though Julia Avar) arrangiert sich mit der Mutter (Mary Sengül), schließlich partizipiert sie. Aber nur bis sich die Details des Sittengemäldes erkennen lassen. Der freundliche Reverend (Christopher Nott-Held) ist der Ex-Liebhaber ihrer Mutter und ihr Verlobter (Philip Warton), sein Sohn, möglicherweise ihr Halbbruder. Das war damals auch fürs Publikum starker Tobak. Bei diesem (Fast-Inzest) muss dem Zensor wohl endgültig der Kragen geplatzt sein. Dramatisch ergiebig aber sind die Frontwechsel und neuen Positionen, insbesondere im Mutter-Tochter-Verhältnis. Bei Vivie bröckelt die Tünche, sie entpuppt sich als selbstsüchtige Person.

 

 

zurück/back